Sommerbad am Insulaner

Abkühlung am Trümmerberg

Gastbeitrag von Wolfgang Lodde:

Dort, wo der Berliner Bezirk Schöneberg in das südliche Steglitz übergeht, befindet sich das städtische „Sommerbad am Insulaner“. Der Name verdankt sich dem angrenzenden Hügel, der nach dem 2.Weltkrieg aus Trümmerschutt entstand. Darauf wurden dann zahlreiche Bäume gesetzt – wie weise, denn das Bad nimmt mit den Liegewiesen den Hügelcharakter auf, inklusive der schattenspendenden Umgebung. Auch wenn es im Sommer recht voll werden kann, findet sich dort meist ein schönes Plätzchen. Der Eingang liegt etwas zurückgenommen von der Straße „Munsterdamm“ – auf dem Flachdach prangt noch der Name des Bades in Originalschrift. Über einen kleinen Fußweg bergan, rechter Hand begleitet von Umkleiden, erreicht man alsbald eine Anhöhe mit herrlichem Blick übers Bad. Anlagen und Gebäude wirken sehr zweckmäßig, dank der knappen Berliner Kassen wurde alles zuletzt nur sparsam aufgefrischt. Der Renovierungsstau zeigt sich auch an den Toiletten – hier noch altdeutsch „Aborte“ genannt –, wirklich nur fürs Dringendste geeignet. Über eine Treppe hinab erreicht man dann die Badelandschaft, zuerst das Schwimmerbecken. Für die zahlreichen Sportschwimmer sind zwei Bahnen geleint. Auch bei großem Andrang verhalten sich die meisten sehr rücksichtsvoll.

Dem friedlichen Charakter zum Trotz brachten unschöne Vorfälle im Hitzesommer 2022 das Bad in die Schlagzeilen; mehrfach mussten Polizisten erhitzte Gemüter beruhigen oder Badverweise aussprechen. Seitdem gibt es Sicherheitspersonal, am Eingang müssen Perso oder Führerschein vorgezeigt werden. Scheinbar waren die Konflikte im journalistischen Sommerloch ein gefundenes Fressen für den Boulevard, auch Dauerkarteninhaber kennen das Bad eigentlich nur als friedlichen Ort. Apropos Boulevard und Sommerloch: ein Krokodil gibt es auch! In der Nähe des Eingangs, es diente früher den Kleinen als Rutsche!

Unser Gastautor: Seit 1998 ist der gebürtige Westfale in Berlin zuhause. Während ihm die langen, kalten und dunklen Winter zu schaffen machen, freut er sich umso mehr auf die Berliner Sommer. Diese sind für ihn die perfekte Entschädigung, um das Sommerbad am Insulaner oder das Strandbad Wannsee zu besuchen. Und an lauen Abenden genießt er die besondere Atmosphäre der vielen Open-Air-Kinos.

Ausstattung:

Wasser: Leitungswasser, klassische Filterung; aufgrund von Sparmaßnahmen sind die Becken aktuell nicht beheizt. Temperaturangaben zum Wasser findet man auf der Webseite des Freibades.

Becken: 50-m-Schwimmerbecken mit 2 geleinten Bahnen für Sportschwimmer und integrierter Sprunganlage 1-m- und 3-m-Sprungbrett und 5-m-Plattform; großes NIchtschwimmerbecken mit Rutsche und Wasserpilzen; Kleinkindbecken

Barrierefreies Bad: Das Freibad ist barrierefrei zugänglich und verfügt über barrierefreie Umkleiden, Duschen und Toiletten. Beim Zugang zu den Becken müssen allerdings Treppenstufen überwunden werden.

Architektur/Historie: Das Schwimmbad eröffnete 1958 und galt als erstes Sommerbad/Freibad Berlins. An gleicher Stelle befand sich seit 1920 ein Licht- und Luftbad ohne Schwimmbecken.

Sport- und Spielangebote: Beachvolleyballanlage, Tischtennisplatten, Sandspielplatz, Klettergerüst und Spielgeräte

Umkleide- und Sanitärräume: Sammelumkleiden und Kabinen, Schließfächer (Achtung: Schloss mitbringen), WCs

Grünanlage: Weitläufige Liegewiesen mit viel Schatten; Sonnenplätze gibt es auch auf den Steinterrassen rund um das Sportbecken.

Gastronomie: Ein Imbiss versorgt die Badenden mit dem wichtigsten, also Freibadpommes,  Getränke, Eis und Süßes. Das schönste ist der Blick von der erhöhten Terrasse über das Bad bis zum Insulaner.

Betreiber/Unterstützer: Berliner Bäder

ÖV: S-Bhf. Priesterweg (S2. S25); Bus M76, X76, 170, 246, 187

Parken: Kostenpflichtige PKW-Parkplätze in der Nähe; Radfahrende finden direkt neben dem Bad umzäunte Radparkplätze.

Adresse: Munsterdamm 80, 12169 Berlin Steglitz-Zehlendorf

Internet: https://www.berlinerbaeder.de/baeder/detail/sommerbad-am-insulaner/

Kultur: Auf dem Gelände des Schwimmbads gibt e im Sommer Freiluft-Theateraufführungen der „Shakespeare-Company“. Der 2022 komplett aus Holz errichtete Rundbau erinnert an das Londoner Original „Globe“! Separater Zugang neben dem Badeingang.

Tipp: An der nahen S-Bahn-Station Priesterweg (erbaut im Stil der Neuen Sachlichkeit um 1930) gibt es die Gartenwirtschaft Süden, mit einer unerwartet guten Bier- und Weinauswahl, Hirschbratwurst oder Flammkuchen – und alles in Bio-Qualität.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner