Kastrup Sea Bath
Wir In-der-Schnecke-Badenden
Gastbeitrag von Markus Berges: Lattenufo, Tsunamibunker – man sucht nach Worten für das Kastrup Sea Bath. Die Kopenhager nennen es in skandinavisch schlicht „Sneglen“ = die Schnecke. Ich zumindest hatte so eine Schnecke nie zuvor gesehen. Ein fantastisches Gefühl allein schon, den langen Holzsteg hinaus aufs Meer in diese fremde, graue Badeanstalt zu zu gehen. Drinnen im hölzernen Rund sucht man sich erstmal ganz normal einen Platz fürs Handtuch, versteht nicht gleich, was sich hier eigentlich so völlig anders anfühlt. Man setzt sich, tausend graue Latten im Rücken, schaut zurück zum Strand, wo man soeben noch selber stand und aufs Meer hinaus blickte. Irgendwann spürt man, dass hier alles, das ganze Badeleben, sich zwar draußen in der Ostsee abspielt, aber eben doch von jeglicher Aussicht aufs Meer abgewandt. In unserer hölzernen Arena schauen wir Badenden ausschließlich landeinwärts und auf uns selbst. Und jetzt beginnen wir uns zu tummeln, als vermehrten wir Badegäste uns unter Wasser, schaumgeboren klettern wir die vielen Treppen und Sprungkanten hinauf. Kinder, Jugendliche, eine komplette japanische Reisegruppe. Ein dicklicher Junge mit Brille, rätselhaft trocken (obwohl auch er dem Meer entstiegen), täuscht immer wieder an, Mädchen ins Wasser zu schubsen. Schlussendlich kommt sein Erzieher und stößt den Jungen selbst hinein. Strahlend (mit Brille auf! unter Glücksgeschrei!) taucht er wieder auf, klettert singend aus dem Wasser. Und genau so (oder so ähnlich), schubsend, tauchend, arschbombend, vor Glück schreiend, beweisen wir uns hier alle. Wir In-der- Schnecke-Badenden. Selbst wenn wir nur zufrieden in der Sonne herumliegen.
Unser Gastautor: Markus Berges ist Schriftsteller und Sänger und Songwriter der Band Erdmöbel – und begleitet freibadliebe.de gelegentlich auf Recherchereisen.
Ausstattung:
Wasser: Meerwasser (Ostsee)
Becken: Das Wasser ist tief und daher nur für Schwimmer geeignet. Es gibt Sprungmöglichkeiten auf 1, 3 und 5 Metern Höhe.
Barrierefreies Bad: Barrierefreier Zugang
Architektur/Historie: Entworfen hat dieses kreisrunde, hölzerne Seebad das schwedische Architekturbüro „White Arkitekter“. 2005 wurde es eröffnet und mehrfach ausgezeichnet. Die Anlage ist kostenlos zugänglich und ganzjährig geöffnet.
Sport- und Spielangebote: Der Amager Strandpark mit seinem weitläufigen Sandstrand bietet jede Menge Platz.
Umkleide- und Sanitärräume: Es gibt Umkleidemöglichkeiten, Kaltduschen, Schließfächer.
Grünanlage: Es gibt Liegemöglichkeiten auf der hölzernen Plattform.
Gastronomie: Das Seebad selber hat keine Gastronomie, es gibt jedoch in der Nähe mehrere Cafés.
Betreiber/Unterstützer: Die Gemeinde Tårnby Kommune
ÖV: Metrostation Femøren St.
Parken: Adresse: Amager Strandvej 301, 2770 Kastrup, Dänemark




